Make Light Veranstaltung: European FabLabCon 2013 in Aachen

Von FabLabs und 3D-gedruckten Häusern auf dem Mond

Bild: Teilnehmer der European FabLabCon an der RWTH Aachen sehen sich einen Ausschnitt aus der DIY-Lounge an

Die erste European FabLabCon fand an der RWTH Aachen statt. Die über 80 Teilnehmer kamen aus verschiedenen Ländern Europas und sogar von Außerhalb. Foto: VDI Technologiezentrum

Die erste FabLab Konferenz Europas fand am 9. September an der RWTH in Aachen statt. Über 80 Teilnehmer stellten in Vorträgen ihre Projekte vor und nutzten die Gunst der Stunde zum Networking. Organisiert wurde die Veranstaltung von Jan Borchers, René Bohne und ihren Kollegen vom FabLab Aachen, dem ersten FabLab Deutschlands. Die FabLabCon Europe 2013 wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.

Die meisten Teilnehmer kamen aus Deutschland und natürlich „traditionell“ aus den Niederlanden, wo die sogenannte Maker-Bewegung bereits einige Jahre vor der Bewegung in Deutschland eingesetzt hatte. Aber auch Teilnehmer aus Italien, Irland, Frankreich, Belgien, Finnland oder gar außereuropäischen Ländern wie Ägypten oder Venezuela waren vertreten.

In den Vorträgen, die zeitlich streng auf einige Minuten limitiert waren, erklärten FabLab-Teilnehmer, Studenten, Designer oder Unternehmer ihre Projekte, Ideen und Visionen. Dabei zeigte sich immer wieder wie umfangreich, innovativ und interdisziplinär die Szene ist. Absolute Highlights der Veranstaltung waren die Keynotes von Enrico Dini und Boris Chichkov.

Keynotespeaker Enrico Dini erklärte den verblüfften Zuhörern, wie man aus Mondstaub in Zukunft vielleicht Häuser auf dem Mond drucken könnte. Bild: VDI Technologiezentrum

Keynotespeaker Enrico Dini erklärte den verblüfften Zuhörern, wie man aus Mondstaub als Grundmaterial in Zukunft vielleicht Häuser auf dem Mond drucken könnte. Bild: VDI Technologiezentrum

Der größte 3D-Drucker und gedruckte Organe

Der Italiener Enrico Dini ist Robotik-Spezialist und Geschäftsführer seines in London beheimateten Unternehmens d-shape. Dini entwickelte den weltweit größten 3D-Drucker mit den Ausmaßen von mehreren Metern, der mit Hilfe von Sand und einem Magnesium-Bindematerial große Skulpturen und sogar ganze Häuser drucken kann. Aus einzelnen 5 bis 10 Millimeter breiten Schichten werden die steinartigen Großobjekte nach und nach aufgebaut.

Die Möglichkeiten sind dabei extrem vielfältig, im Grunde fast alles, was man sich vorstellen kann: Von Bushaltestellenhäuschen über Fantasiegebäude, Parkbänken, Brunnen, Steinmöbeln, Tunneln und Höhlen auf Kinderspielplätzen bis hin zu künstlichen Korallenriffen.

Erst kürzlich wurde Dini sogar von der Europäischen Weltraumagentur ESA angesprochen, um zu überprüfen, ob es möglich wäre, mit seinem Verfahren Gebäude auf dem Mond zu „drucken“. Als Basismaterial dafür soll der Mondstaub dienen.

Zweiter Keynotespeaker war Boris Chichkov. Er arbeitet an der Entwicklung neuer Laser-basierter Nanotechnologien am Institut für Quantenoptik der Leibniz Universität Hannover. Parallel dazu ist er Abteilungsleiter „Nanotechnologie“ am Laser Zentrum Hannover e.V.

Die erste European FabLabCon fand an der RWTH Aachen statt und war mit 80 Teilnehmern gut besucht. Foto: VDI Technologiezentrum

Boris Chichkov vom Laser Zentrum Hannover e.V. erklärte den Teilnehmern das Bioprinting. Foto: VDI Technologiezentrum

Sein Vortrag führte die Zuhörer von der Makro- in die Mikrowelt von nur wenigen Nanometern und hochpräzisen Strukturen aus dem 3DLaserdrucker.Auch Chichkov zeigte einen weiteren zukünftigen und hoch interessanten Aspekt des 3D-Druckens auf: das Bioprinting. Forscher arbeiten gerade in den Laboren fieberhaft daran, einzelne Körperteile wie Ohren oder Organe mit Hilfe von speziell programmierten Zellen zu züchten.

FabLabs: Networking einer stark wachsenden Szene

Als ein Kernelement der Veranstaltung ist auch das Networking für die Szene ungemein wichtig, da durch das stetige Wachstum die Anforderung und Bedeutung einer umfassenden Vernetzung stark ansteigt. Kannten sich in den Anfangstagen die einzelnen Partner alle noch persönlich, so werden die Treffen heute oft dazu genutzt, um möglichst viele neue Kontakte zu knüpfen.

Manche Teilnehmer kamen von weit her, wie Hadwa Omram aus Kairo. Foto: VDI Technologiezentrum

Manche Teilnehmer kamen von weit her, wie Hadwa Omram aus Kairo. Ihr Thema: „Reusability and Sustainable Fabrication“ Foto: VDI Technologiezentrum

Die FabLab-Szene gibt es in ihrer jetzigen Form zwar erst einige Jahre, doch in einem relativ kurzem Zeitraum ist ihre Anzahl extrem stark angestiegen: Gab es in der EU im Jahr 2010 knapp 50 aktive Fablabs so sind es in 2013 bislang schon über 250.

FabLabs (engl. für fabrication laboratory) sind offene, demokratische High-Tech-Werkstätten, die Privatpersonen industrielle Produktionsverfahren wie Laser-Cutter, 3D-Drucker, CNC-Maschinen oder Fräsen, für ihre eigenen Projekte zur Verfügung zu stellen. FabLabs richten sich aktuell bevorzugt in 2 Richtungen neu aus, entweder in Richtung Public mit Bildungsangebot (z. B. Schulen und Berufsschulen), oder Richtung Wissenschaft (HighTech).

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